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Bewusstwerdung beginnt dort, wo du nicht nur auf das Außen schaust, sondern erkennst, was es in dir sichtbar macht.

  • nadiadoradoneu
  • 22. März
  • 3 Min. Lesezeit

Der Mensch sucht oft das, was er glaubt, nicht in sich zu haben oder noch nicht zu sein.


Liebe, Sicherheit, Wert, Anerkennung, Frieden, Zugehörigkeit, Lebendigkeit.


Dabei hat diese Suche viel mit bisherigen Erfahrungen, inneren Prägungen, Glaubenssätzen, dem eigenen Selbstbild und dem Grad an Bewusstheit zu tun.

 

Wenn ein Mensch zum Beispiel früh gelernt hat, dass er nur durch Leistung gesehen wird, sucht er später vielleicht Erfolg, Anerkennung oder Bestätigung im Außen.


Wenn jemand erlebt hat, dass Nähe unsicher ist, sucht er vielleicht besonders stark nach Verschmelzung, nach absoluter Liebe oder nach einem Menschen, der endlich das Gefühl von Ankommen gibt.


Und wenn ein Mensch tief in sich glaubt, nicht genug zu sein, wird fast jede Suche unbewusst zu einem Versuch, diesen inneren Mangel aufzuheben.

 

Die grundsätzliche Erkenntnis fehlt oft:

Alles, was ich in mir suche und im Außen berührt werde, ist als Möglichkeit bereits in mir angelegt.


Was ich in mir fühle, weist nicht nur auf einen Mangel hin — es weist oft auch auf etwas hin, das bereits in mir lebt, aber noch nicht bewusst, angenommen oder verkörpert ist. Und das kann alles sein:

Liebe, Kraft, Würde, Klarheit, Freiheit, Wahrheit, Ruhe, Trauer, Sehnsucht, Lebendigkeit.


Das bedeutet nicht, dass Suche falsch ist.


Und es bedeutet auch nicht, dass Erfahrungen unnötig waren. Im Gegenteil:

Erfahrung ist oft notwendig, damit etwas bewusst werden kann.


Wir erkennen uns als Menschen nicht nur durch Nachdenken, sondern durch Beziehung, Berührung, Enttäuschung, Hoffnung, Verlust, Freude, Nähe und Reibung.


Nicht im Sinn von: „Irgendwann geht es mir dann endlich besser.“ Sondern im Sinn von:


Die grundlegende Anspannung und der Widerstand in mir gegen mich selbst können nach und nach nachlassen, durch Erfahrung, Einsicht und Erkenntnis.

 

Denn viele Menschen leiden nicht nur an dem, was sie erleben, sondern auch daran, dass sie innerlich gegen ihre eigenen Gefühle, Bedürfnisse, Sehnsüchte oder Verletzlichkeit kämpfen.


Sie wollen anders sein, schneller heilen, weniger fühlen, stärker wirken oder endlich „ankommen“.


Doch genau dieser innere Kampf hält oft die Spannung aufrecht.


Zwischenmenschliche Begegnungen und Beziehungen sind deshalb wertvolle Initiationen.

Nicht, weil der andere uns vervollständigen soll. Sondern weil er in uns etwas berührt, das gesehen, gefühlt und erkannt werden will — durch uns selbst.

 

Gerade in Beziehungen zeigt sich oft sehr deutlich, was wir über uns selbst glauben.


Bin ich liebenswert?

Bin ich sicher?

Muss ich kämpfen, um gesehen zu werden?

Muss ich mich anpassen, um Nähe zu halten?

Darf ich mich zeigen?

Darf ich Grenzen haben?

Bin ich es wert, gewählt zu werden?

Oder glaube ich tief in mir, dass ich immer zu viel, zu wenig oder nicht ganz richtig bin?

 

Und genau hier zeigt sich auf einer tieferen Ebene auch, wonach wir uns in Wahrheit sehnen.


Nicht immer nach der Person selbst, sondern oft nach dem Gefühl, das wir durch sie berühren:

endlich angenommen zu sein, sicher zu sein, weich zu werden, uns hingeben zu dürfen, uns lebendig zu fühlen oder einfach nicht mehr gegen uns selbst kämpfen zu müssen.

 

Diese Sehnsucht ist individuell. Jeder Mensch trägt seine eigene Geschichte, seine eigene Wunde, seine eigene Hoffnung und damit auch seine ganz eigene Form der Suche.

Deshalb sucht nicht jeder dasselbe, auch wenn unter allem oft ähnliche Grundthemen liegen:


Liebe, Sicherheit, Wert, Freiheit, Frieden, Zugehörigkeit, Selbstsein.

 

Die Reifung besteht nicht darin, nie mehr zu suchen oder nichts mehr zu brauchen.


Sie besteht eher darin, immer klarer zu erkennen, was ich wirklich suche, worauf ich es projiziere und was in mir selbst gesehen, gehalten und integriert werden möchte.


So wird das Außen nicht bedeutungslos. Aber es bekommt einen anderen Platz.

Es ist nicht mehr der Ort, an dem ich mich endlich finden muss.

Es wird zum Spiegel, zum Erfahrungsraum, zur Einladung zur Bewusstwerdung.

 

Und vielleicht zeigt sich genau darin etwas sehr Menschliches und sehr Heilsames:

Ich muss die Erfahrung nicht abwerten. Ich darf nur beginnen zu verstehen, was sie mir über mich selbst zeigt.


Dann wird Beziehung nicht nur zum Ort von Sehnsucht und Schmerz, sondern auch zum Ort von Erkenntnis.


Und mit dieser Erkenntnis kann nach und nach etwas weicher werden:

mehr Selbstannahme, mehr innere Wahrheit, weniger Kampf, weniger Projektion, weniger Widerstand gegen das, was ich bin.

 

Am Ende geht es vielleicht nicht darum, irgendwo endlich das Richtige zu finden. Sondern darum, durch das Leben hindurch bewusster zu werden für das, was in uns längst berührt werden will.


In diesem Sinn ist das Leben nicht gegen dich.


Es zeigt dir durch Erfahrungen immer wieder, was in dir geglaubt, gefühlt, vermieden und ersehnt wird.


Und Bewusstwerdung beginnt dort, wo du nicht nur auf das Außen schaust, sondern erkennst, was es in dir sichtbar macht.



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